Hure Babylon

Aus AnthroWiki
Lucas Cranach der Ältere: „Die Babylonische Hure“, 1534. Kolorierter Holzschnitt zur Lutherbibel von 1534. Die babylonische Hure ist auf diesem Bild mit einer päpstlichen Tiara dargestellt.
Die Hure Babylon reitet die siebenköpfige Bestie
Die Hure Babylon in der Ottheinrich-Bibel (um 1530–1532)
Die Hure Babylon, Darstellung aus dem Hortus Deliciarum der Herrad von Landsberg, um 1180

Die Hure Babylon, in der Apokalypse des Johannes Babylon, die Große (griech. Βαβυλὼν ἡ μεγάλη Babylōn hē megalē: Offb 14,8 ELB; 16,19 ELB; 17,5 ELB; 18,2 ELB; 18,18 ELB; 18,10 ELB; 18,21 ELB) genannt, wird im Neuen Testament mehrfach erwähnt. Sie sitzt auf einem scharlachroten Tier mit sieben Köpfen und zehn Hörnern. Die Könige der Erde haben mit ihr Unzucht getrieben. Gemeint ist hier die Unzucht des Geistes mit der Materie, die schwarze Magie. Auf ihrer Stirn steht ein Name geschrieben, ein Geheimnis, ein Mysterium, das sie als die Mutter aller Huren und Gräuel der Erde kennzeichnet. Sie ist trunken vom Blut aller Heiligen und im christlichen Sinn Strebenden:

„1 Und es kam einer von den sieben Engeln, welche die sieben Schalen hatten, und redete mit mir und sprach: Komm her! Ich will dir das Gericht über die große Hure zeigen, die an vielen Wassern sitzt, 2 mit der die Könige der Erde Unzucht getrieben haben; und die Bewohner der Erde sind trunken geworden von dem Wein ihrer Unzucht. 3 Und er führte mich im Geist hinweg in eine Wüste; und ich sah eine Frau auf einem scharlachroten Tier sitzen, das voller Lästernamen war und sieben Köpfe und zehn Hörner hatte. 4 Und die Frau war bekleidet mit Purpur und Scharlach und übergoldet mit Gold und Edelgestein und Perlen, und sie hatte einen goldenen Becher in ihrer Hand, voller Gräuel und Unreinheit ihrer Unzucht; 5 und sie hatte an ihrer Stirn einen Namen geschrieben, ein Geheimnis: Babylon, die Große, die Mutter der Huren und der Gräuel der Erde. 6 Und ich sah die Frau trunken vom Blut der Heiligen und vom Blut der Zeugen Jesu.“

Offenbarung 17,1-7 ELB

Ursprung der schwarzen Magie

Hauptartikel: Schwarze Magie

Die schwarze Magie hat ihren Ursprung in der Verführung durch das zweihörnige Tier, den Sonnen- und Erdendämon Sorat. Rudolf Steiner erläutert dazu:

„Der Mißbrauch der spirituellen Kräfte hängt zusammen mit jener verführerischen Kraft des Tieres mit den zwei Hörnern. Und wir nennen diesen Mißbrauch der spirituellen Kraft die schwarze Magie im Gegensatz zum richtigen Gebrauch, den wir die weiße Magie nennen. So wird das Menschengeschlecht dadurch, daß es sich spaltet, sich darauf vorbereiten, auf der einen Seite in immer geistigere Zustände zu gelangen und dadurch in den Gebrauch der geistigen Kräfte, in die weiße Magie hineinzukommen, und auf der anderen Seite wird dasjenige, was Mißbrauch treibt mit den spirituellen Kräften, sich vorbereiten für die wildeste Kraft des zweihörnigen Tieres, die schwarze Magie. Es wird sich letzten Endes die Menschheit spalten in Wesen, welche die weiße, und in solche, welche die schwarze Magie treiben. So ist in dem Geheimnis von 666 oder Sorat das Geheimnis der schwarzen Magie verborgen. Und der Verführer zur schwarzen Magie, jenes furchtbarsten Verbrechens in der Erdenentwicklung, dem kein Verbrechen gleichkommen kann, er wird vom Apokalyptiker dargestellt durch das zweihörnige Tier. So tritt sozusagen in unseren Horizont ein die Spaltung der Menschheit in urferner Zukunft: die Auserwählten des Christus, die zuletzt sein werden die weißen Magier, und die Gegner, die wilden Zauberer, die schwarzen Magier, die nicht los können von der Materie und die der Apokalyptiker darstellt als diejenigen, die mit der Materie Unzucht treiben. Daher wird dieses ganze Treiben von schwarzer Magie, alles, was da an Ehe entsteht zwischen dem Menschen und der Verhärtung in der Materie, ihm zur Anschauung gebracht vor seiner Seherseele in der großen Babylon, in der Gemeinschaft, die alle diejenigen vereint, die schwarze Magie treiben, in der furchtbaren Ehe oder vielmehr wilden Ehe zwischen dem Menschen und den Kräften der herabgekommenen Materie.

Und so sehen wir in einer urfernen Zukunft zwei Kräfte einander gegenüberstehen: auf der einen Seite diejenigen, die hineinsegeln in die Bewohnerschaft der großen Babylon, und auf der anderen diejenigen, die sich erheben über die Materie, die sich als Menschen vereinigen mit dem, was als Prinzip des Lammes hingestellt wird. Wir sehen, wie auf der einen Seite das Schwärzeste sich absondert in der Babylon, geführt von all den der Sonne entgegengesetzten Kräften, von Sorat, dem zweihörnigen Tier, und wir sehen die Menschheit, die sich entwickelt hat aus den Auserwählten, die sich vereinigen mit dem ihnen erscheinenden Christus, dem Lamm: die Hochzeit des Lammes auf der einen Seite, die der Babylon, der untergehenden Babylon auf der andern Seite. Und wir sehen hinuntersinken in den Abgrund Babylon und aufsteigen zu der Handhabung der Kräfte der weißen Magie die Auserwählten, die Hochzeit gehalten haben mit dem Lamm. Und weil sie die geistigen Kräfte nicht nur erkennen, sondern auch diese geistigen Kräfte magisch zu handhaben verstehen, können sie vorbereiten das, was sie an der Erde haben, zu der nächsten planetarischen Verkörperung, zu dem Jupiter. Sie zeichnen sozusagen die großen Grundrisse, die der Jupiter haben soll. Wir sehen sich herauserheben aus der Kraft der weißen Magier die vorbereitenden Gestalten, die hinüberleben sollen als die Gestalten der nächsten Erdenverkörperung, des Jupiters: das neue Jerusalem sehen wir aus der weißen Magie sich erheben.“ (Lit.:GA 104, S. 231ff)

Babylon und die niedere Astralsphäre der Erde

Nicht zufällig ist mit der Hure Babylon auch die Stadt Babylon und die mit ihr verbundene Seelenatmosphäre gemeint. Städte sind besonders geeignete Orte der Individualisierung, aber auch des Egoismus. Babylon steht in diesem Sinn für alle Städte und für die gegenüber der Natur und ihrer Geistigkeit gleichgültige, überbordende äußere Zivilisation. Irenäus von Lyon und Hippolyt von Rom und später auch auch Cassiodor (* um 485; † um 580) und Andreas von Caesarea (um 600) bezogen die Hure Babylon auf das gesamte weltliche Machtgefüge.

„Auch die alten vorchristlichen orientalischen Kulturen haben, wie Sie wissen, große Städte hervorgebracht. Wir können zurückblicken auf weit ausgebreitete orientalische Kulturen, die auch große Städte hervorgebracht haben. Aber diese großen Städte der alten Kulturen, die hatten eine gewisse Gesinnung neben sich. Alle orientalischen Kulturen hatten das Eigentümliche, daß sie ausbildeten mit dem Leben in den Großstädten die Anschauung, daß eigentlich, wenn der Mensch nicht durchdringt über das Physische zum Überphysischen, er im Leeren, im Nichtigen lebt. Und so konnten sich wirklich die großen Städte Babylon, Ninive und so weiter entwickeln, weil der Mensch durch diese Städte nicht dazu gekommen ist, das, was diese Städte hervorgebracht haben, als das eigentlich Wirkliche anzusehen, sondern dasjenige, was erst hinter alledem ist. Es ist erst in Rom so geworden, daß man die Städtekultur zu einem Regulativ der Wirklichkeitsanschauung gemacht hat. Die griechischen Städte sind undenkbar ohne das sie umgebende Land; sie nähren sich von dem sie umgebenden Land. Wäre unsere Geschichte nicht so sehr eine Fable convenue, wie sie es ist, sondern würde sie die wirkliche Gestalt der früheren Zeiten neu herauf bringen, so würde sie zeigen, wie die griechische Stadt im Land wurzelt. Rom wurzelte nicht mehr im Lande, sondern die Geschichte Roms besteht eigentlich darinnen, eine imaginäre Welt zu einer wirklichen zu machen, eine Welt, die nicht wirklich ist, zu einer wirklichen zu machen. In Rom wurde eigentlich der Bürger erfunden, der Bürger, dieses fürchterliche Karikaturgebilde neben dem Wesen Mensch. Denn der Mensch ist Mensch; und daß er außerdem noch ein Bürger ist, ist eine imaginäre Sache. Daß er ein Bürger ist, das steht irgendwo in den Kirchenbüchern oder in den Rechtsbüchern oder dergleichen. Daß er, außer dem, daß er Mensch ist und als Mensch gewisse Fähigkeiten hat, auch noch einen eingetragenen Besitz hat, einen grundbuchlich eingetragenen Besitz, das ist etwas Imaginäres neben der Wirklichkeit. Das alles aber ist römisch. Ja, Rom hat noch viel mehr zustande gebracht. Rom hat verstanden, alles dasjenige, was sich ergibt aus der Loslösung der Städte vom Lande, vom wirklichen Lande, zu einer Wirklichkeit umzufälschen. Rom hat zum Beispiel verstanden, in die religiösen Begriffe der Alten die römischen Rechtsbegriffe einzuführen. Derjenige, welcher der Wahrhaftigkeit gemäß zu den alten religiösen Begriffen zurückgeht, der findet nicht in diesen alten religiösen Begriffen die römischen Rechtsbegriffe. Römische Jurisprudenz ist eigentlich hineingegangen in die religiöse Ethik. Es ist im Grunde genommen in der religiösen Ethik - durch dasjenige, was Rom daraus gemacht hat - so, als wenn in der übersinnlichen Welt solche Richter dasäßen, wie sie auf unseren Richterstühlen römischer Prägung sitzen und über die menschlichen Handlungen richteten. Ja, wir erleben es sogar, weil die römischen Rechtsbegriffe noch nachwirken, daß da, wo vom Karma die Rede ist, die meisten Menschen, die heute sich zum Karma bekennen, sich die Auswirkung dieses Karma so vorstellen, als wenn irgendeine jenseitige Gerechtigkeit da wäre, welche nach den irdischen Begriffen das, was einer getan hat, belegt mit dieser oder jener Belohnung, dieser oder jener Strafe, ganz nach römischen Rechtsbegriffen. Alle Heiligen und alle überirdischen Wesenheiten leben eigentlich so in diesen Vorstellungen, daß römisch-juristische Begriffe sich in diese überirdische Welt hineingeschlichen haben.“ (Lit.:GA 191, S. 79f)

Dantes Schilderung der Hure Babylon

Schon im Frühchristentum war Babylon insbesondere eine Chiffre für Rom und das Römische Reich. Als die Römer schließlich das Christentum übernahmen und sich das Papsttum in Rom festsetzte, wurde Babylon zunehmend auch ein Symbol für die Verfehlungen der Römisch-Katholischen Kirche und die Ausschweifungen und den Machtmissbrauch zahlreicher Päpste. Dante gebrauchte dieses Bild in seiner Göttlichen Komödie im 19. Gesang des Inferno und im 32. Gesang des Purgatorio für seine radikale Kritik an dem wegen seines Hochmuts berüchtigten Papst Bonifaz VIII. Hier, auf der Spitze des Läuterungsberges, mitten im irdischen Paradies, im Garten Eden, spielt sich die Schlüsselszene der Göttlichen Komödie ab, die gleichsam die ahrimanisch-soratische Überhöhung des Sündenfalls darstellt - die unheilige Verbindung der himmlischen und irdischen Macht, die Unzucht des Geistes mit der Materie.

Ein Adler, der Vogel Jupiters und Symbol der römischen Kaiser, unter deren Herrschaft die Christenverfolgungen stattfanden, stößt mit rasender Bewegung auf den Baum herab, knickt Blüten und Blätter und zernagt die Rinde. Mit aller Kraft reißt er am Wagen, der wie ein Schiff auf sturmbewegter See hin- und hergeworfen wird. Ein Fuchs, als Symbol für die Irrlehren, beschleicht den Wagen, begierig nach bester Speise um sich spähend, doch Beatrice verjagt ihn. Wieder stürzt der Adler auf den Wagen nieder und lässt gar viele Federn vom Gefieder.

Plötzlich scheint die Erde aufzubrechen und ein Drache dringt hervor, der mit seinem Stachelschwanz den Wagen durchsticht und zerbricht. Die Reste des heiligen Fahrzeugs werden von Unkraut überwuchert. Dann verwandelt sich der Wagen zu einem Ungeheuer mit sieben Köpfen (Off 17,1-18 LUT), drei vorne, mit je zwei Hörnern wie Stierhörner, und vier, sich aus den Kanten reckend, mit jeweils einem Horn. Die sieben Köpfe entsprechen hier den sieben Hauptlastern: Hochmut, Neid, Zorn, Trägheit, Geiz, Völlerei und Wollust. Darauf sitzt mit entblößten Brüsten eine ausgelassene Dirne, die mit einem Riesen buhlt. Unschwer kann man in ihr die Hure Babylon wiedererkennen. Nachdem sich beide heftig küssen, hebt er die Peitsche, schlägt sie und reißt den Wagen vom Baum los und verschwindet mit ihm im Wald.

109 Nicht sah man je so schnell aus Himmels Hallen,
Aus dichter Wolk’, ein flammendes Geschoß,
Den Blitz aus fernster Höhe niederfallen,
112 Als durch den Baum herab Zeus’ Vogel schoß,[1]
Nicht wühlend blos in Blüten und in Blättern,
Die Rind’ auch brechend, die sein Mark umschloß;
115 Dann sah man ihn zum Wagen niederschmettern,
Der bei dem Stoße rechts und links sich bog,
Gleich einem Schiff im Kampf mit wilden Wettern.
118 Dann war ein Fuchs, der jähen Sprunges flog,
Ins Inn’re selbst des Wagens eingebrochen,
Wohin ihn Gier nach bessrer Speise zog.
121 Doch mit dem Vorwurf deß, was er verbrochen,
Trieb meine Herrin ihn so eilig fort,
Als laufen konnten seine magern Knochen.
124 Und nochmals stürzte von dem hohen Ort,
Wie schon vorhin, der Adler in den Wagen,[2]
Und ließ ihm viel von seinen Federn dort.
127 Und wie aus banger Brust der Laut der Klagen,
Klang aus dem Himmel eine Stimm’ und sprach:
„Mein Schifflein, schlechte Ladung mußt du tragen!“
130 Und unten, zwischen beiden Rädern, brach
Der Erde Grund, ausspeiend einen Drachen,[3]
Der durch den Wagen mit dem Schwanze stach.
133 Dann zog er ihn zurück, wie’s Wespen machen,
Nahm einen Theil des Bodens mit und schien,
Von dannen eilend, des Gewinns zu lachen.
136 Der Rest des Wagens blieb, doch sah man ihn
Mit Federn, die wohl reiner Sinn gespendet,
Wie üppig Land mit Gras, sich überziehn.
139 Und dieses Werk war so geschwind vollendet,
Und voll die Deichsel und das Räderpaar,
Bevor die Brust ein O! und Ach! beendet.
142 Und Häupter trieb, als er verwandelt war,[4]
Der Wagen vor, an den vier Ecken viere,
Drei aber nahm man auf der Deichsel wahr,
145 Die letzten drei gehörnt wie die der Stiere,
Die ersten vier mit einem Horn versehn;
So glich er nie geschautem Wunderthiere.
148 Und sicher, wie auf Bergen Schlösser stehn,
Saß eine zügellose Hure drinnen
Und ließ umher die flinken Augen spähn.
151 Und, gleich als solle sie ihm nicht entrinnen,
Stand ihr zur Seit’ ein Ries’ und diese Zwei
Sah ich sich küssen und sich zärtlich minnen.
154 Allein, weil sie die Augen gierig frei
Auf mich gewandt, schlug sie der grimme Freier
Vom Kopf zum Fuß mit wüthendem Geschrei.
157 Drauf löst er ab vom Baum das Ungeheuer,
Von wildem Zorn erfüllt und bösem Arg,
Und zog es durch den Wald, deß dichter Schleier
160 Die Hure sammt dem neuen Thier verbarg.
                                       (Purgatorio 32, 109-160[5])

Die Spaltung der Stadt Babylon in drei Teile

Bei der Ausgießung der siebten Zornesschale wurde die große Stadt Babylon nach den Schilderungen der Apokalypse in drei Teile gespalten, nachdem sich die kämpfenden Scharen zur Entscheidungsschlacht bei Harmagedon versammelt hatten:

„13 Und ich sah aus dem Rachen des Drachen und aus dem Rachen des Tieres und aus dem Munde des falschen Propheten drei unreine Geister kommen, gleich Fröschen; 14 es sind Geister von Dämonen, die tun Zeichen und gehen aus zu den Königen der ganzen Welt, sie zu versammeln zum Kampf am großen Tag Gottes, des Allmächtigen. – 15 Siehe, ich komme wie ein Dieb. Selig ist, der da wacht und seine Kleider bewahrt, damit er nicht nackt gehe und man seine Blöße sehe. – 16 Und er versammelte sie an einen Ort, der heißt auf Hebräisch Harmagedon. 17 Und der siebente Engel goss aus seine Schale in die Luft; und es kam eine große Stimme aus dem Tempel vom Thron, die sprach: Es ist geschehen! 18 Und es geschahen Blitze und Stimmen und Donner, und es geschah ein großes Erdbeben, wie es noch nicht gewesen ist, seit Menschen auf Erden sind – ein solches Erdbeben, so groß. 19 Und aus der großen Stadt wurden drei Teile, und die Städte der Völker stürzten ein. Und Babylon, der Großen, wurde gedacht vor Gott, dass ihr gegeben werde der Kelch mit dem Wein seines grimmigen Zorns. 20 Und alle Inseln verschwanden, und die Berge wurden nicht mehr gefunden. 21 Und ein großer Hagel wie Zentnergewichte fiel vom Himmel auf die Menschen; und die Menschen lästerten Gott wegen der Plage des Hagels; denn diese Plage ist sehr groß.“

Offenbarung 16,13-21 LUT

Hier mag man an die Spaltung der Seelenkräfte denken, wie sie auch bei vorangeschrittener Geistesschulung auftritt. Denken, Fühlen und Wollen werden aus ihrer natürlichen Verbindung herausgerissen und und agieren als selbständige Kräfte. Heilsam ist diese Entwicklung nur, wenn das Ich die vollbewusste Herrschaft über die Seelenkräfte erlang und ihre Tätigkeit in geordnete, auf einander abgestimmte Bahnen lenkt. Andernfalls versinkt das Seelenleben im Chaos und wird zum Spielball der Widersachermächte.

Babylon und die achte Sphäre

Bereits im 7. Kapitel der Apokalypse wird die Zahl der Versiegelten genannt, die sich dem Einfluss der Widersacher entziehen können. Sie verfallen nicht dem zweihörnigen Tier, dem Sonnen- bzw. Erdendämon Sorat, und werden nicht aus der weiteren Entwicklung der Erde ausgeschieden und dessen Reich, der sogenannten Achten Sphäre, eingegliedert. Die Zahl dieser Auserwählten der Menschheit wird mit 144.000 bezeichnet - doch ist damit keine genau bestimmte Anzahl gemeint, sondern ihre besondere geistige Qualität gekennzeichnet, durch die sie an der weiteren Entwicklung der Erde und der ihr folgenden planetarischen Weltentwicklungsstufen mitwirken können. Der kritische Moment, bis zu dem die vom Sonnendämon Verführten noch auf den Weg der regulären Erdentwicklung zurückkehren können, wird durch die Zahl des Tieres - 666 - angedeutet. Die letzte Entscheidung fällt demnach im 6. Formzustand des 6. Lebenszustandes der 6. planetarischen Entwicklungstufe, d. h. gegen Ende der Entwicklung der sogenannten Neuen Venus. Darauf wird auch in verschlüsselter Form in der Apokalypse hingedeutet:

„7 Und der Engel sprach zu mir: Warum wunderst du dich? Ich will dir sagen das Geheimnis der Frau und des Tieres, das sie trägt und sieben Häupter und zehn Hörner hat. 8 Das Tier, das du gesehen hast, ist gewesen und ist jetzt nicht und wird wieder aufsteigen aus dem Abgrund und in die Verdammnis fahren. Und es werden sich wundern, die auf Erden wohnen, deren Name nicht geschrieben steht im Buch des Lebens vom Anfang der Welt an, wenn sie das Tier sehen, dass es gewesen ist und jetzt nicht ist und wieder sein wird. 9 Hier ist Sinn, zu dem Weisheit gehört! Die sieben Häupter sind sieben Berge, auf denen die Frau sitzt, und es sind sieben Könige. 10 Fünf sind gefallen, einer ist da, der andre ist noch nicht gekommen; und wenn er kommt, muss er eine kleine Zeit bleiben. 11 Und das Tier, das gewesen ist und jetzt nicht ist, das ist der achte und ist einer von den sieben und fährt in die Verdammnis. 12 Und die zehn Hörner, die du gesehen hast, das sind zehn Könige, die ihr Reich noch nicht empfangen haben; aber wie Könige werden sie für eine Stunde Macht empfangen zusammen mit dem Tier. 13 Diese sind eines Sinnes und geben ihre Kraft und Macht dem Tier. 14 Die werden gegen das Lamm kämpfen, und das Lamm wird sie überwinden, denn es ist der Herr aller Herren und der König aller Könige, und die mit ihm sind, sind die Berufenen und Auserwählten und Gläubigen. 15 Und er sprach zu mir: Die Wasser, die du gesehen hast, an denen die Hure sitzt, sind Völker und Scharen und Nationen und Sprachen. 16 Und die zehn Hörner, die du gesehen hast, und das Tier, die werden die Hure hassen und werden sie verwüsten und entblößen und werden ihr Fleisch essen und werden sie mit Feuer verbrennen. 17 Denn Gott hat's ihnen in ihr Herz gegeben, nach seinem Sinn zu handeln und eines Sinnes zu werden und ihr Reich dem Tier zu geben, bis vollendet werden die Worte Gottes. 18 Und die Frau, die du gesehen hast, ist die große Stadt, die die Herrschaft hat über die Könige auf Erden.“

Offenbarung 17,7-18 LUT

Rudolf Steiner gibt dazu folgende Deutung:

„In dem Zeitraum, da das sechste Siegel erbrochen wird, werden die Zwölfer-Menschen erscheinen, und ebenso wird in dem sechsten Zustand die Errettung der «großen Hure Babylon» stattfinden. In diesem sechsten Zustand wird die Erde wiederholt haben die Saturn-, Sonnen- und Mond-Erde, dazu den eigentlichen Erdenzustand, die Jupiter-Erde und wird endlich auf der Venus-Erde die fünf Runden hinter sich haben. Dann ist der sechste Zustand gekommen; doch noch ist der Vulkan-Zustand für die Auserwählten nicht da. Deshalb heißt es: «Die fünf sind gefallen» — und das, was sich als Rest erhalten hat: — «der eine ist» — und der siebente: — «der andere ist noch nicht gekommen.» (Apk. 17, 10) So sehen wir, wie wir die Theosophie in den Angaben des Apokalyptikers wiederfinden. Aber die, welche sich in der Zeit der Venus-Erde als unreif erwiesen haben, die sich unter die Herrschaft des Sorat gestellt haben, müssen sich jetzt absondern auf einer besonderen Erdkugel, während die sieben anderen abwärts und wieder aufwärts gehen. So fällt die Kolonie des Sorat heraus. Die schwarzen Magier bewohnen diese achte Sphäre, die links geht, und das Tier beherbergt alles, was herausfällt: das ist der achte Zustand. So könnten wir alle theosophischen Lehren in der Apokalypse finden.“ (Lit.:GA 104a, S. 128)

In einem frühen, nur fragmentarisch überlieferten Vortrag Steiners heißt es dazu:

„Der sechste Zeitraum hat überall etwas von Entscheidung. Philadelphia-Kultur hinüber in andere Zeit. Das sechste Siegel bringt die Zwölfzahl. Auch die sechste Posaune bringt etwas Entscheidendes.

5 Jupitererde, 6 Venus-Erde - Überwindung des großen Babylon. Gerettet alle, die gerettet werden können. Entschieden wird, wer warten muss bis in nächste Zeit.

Wiederholung von Saturn 1, Sonne 2, Mond 3, Erde 4, Jupiter 5, Venus 6, Vulkan 7.

Wenn die Erde zum sechsten Mal sich in Weltenkörper bildet, fünf Runden hinter sich hat, ist der sechste Zustand da, der siebte noch nicht. Daher wird für die Zeit, in der Babylon überwunden ist, uns gesagt: Hier ist Weisheit. [Off 13,18]

Fünf sind gefallen, das heißt Saturn, Sonne ... Sie sind dahin für die Auserwählten - nur Auswurf als Tier -, und der sechste ist, und der siebte ist noch nicht gekommen. Bis in dieses hinein charakterisiert der Apokalyptiker genau.

Noch eines: Wir haben also sieben Zustände, das sind die regelrechten, die durchgemacht werden, um hinaufzusteigen. Aber auch die, die sich als unreif erwiesen haben, sind gestellt unter Sorat. Was wird aus diesen? Die müssen sich jetzt eine eigene Weltenkugel absondern, auf der sie ihre Entwicklung fortführen. Sodass sich absondert eine besondere Kugel, sie fällt heraus.

Eine kleine Kolonie der Verruchten, die schwarzen Magier, siedeln sich dort an. Lesen Sie von der geheimnisvollen achten Sphäre in der theosophischen Literatur, die links geht, während die andere rechts. [Lücke in der Mitschrift] wird er eine Zeit bleiben, und das Tier ist der Achte und ist von der Sieben gekommen und führt in den Untergang. Auch das weiß der Apokalyptiker, dass außer den sieben Kugeln noch eine Achte existiert.“ (Lit.:GA 90a, S. 160f)

Literatur

Steiner big.jpg
Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
Die Rudolf Steiner Ausgaben basieren auf Klartextnachschriften, die dem gesprochenen Wort Rudolf Steiners so nah wie möglich kommen.
Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und
Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.
Ausführliche bibliografische Informationen mit Volltextsuche in allen derzeit verfügbaren Online-Ausgaben bietet die Steinerdatenbank.de.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. [112. Baum und Wagen werden immer noch neben- und beieinander gedacht. Aber das mögliche Mißverhältniß zwischen beiden ist nach D’s. Anschauung ein zwei- (vgl. zu 38) bezhdl. dreifaches. Der weltliche Arm kann sich Uebergriffe erlauben 1. feindseliger Weise durch Verfolgung der Kirche; 2. freundlicher Weise durch weltliche Beschenkung derselben; 3. das geistiche Haupt der Kirche kann, selbst nach weltlicher Herrschaft strebend, sich so von der providenziellen Stütze des Kaiserthums loslösen. – Daher sehen wir zuerst einen Adler „durch den Baum herab“ feindlich den Wagen überfallen und können nicht einsehen, weshalb nun hier der Baum seine Bedeutung wechseln und zum „Weltreich“ werden soll. Im Gegentheil. Haben wir oben die Bedeutung desselben als Symbol des „Kaiserthums als göttlicher Stiftung“ begründet, so tritt dem hier gerade der „Adler“ gegenüber als Bild der empirischen Kaisermacht, welche das providenzielle Institut des röm. Reichs seiner Bestimmung entgegen zur Vergewaltigung der Kirche mißbraucht („durch den Baum herniederschießend“) und dasselb-dadurch nicht nur seiner gottgewollten „Blüte“ (Christianisirung) beraubt, sondern auch in seinem tiefsten göttlichen Grund (Mark) erschüttert (114). Daß der Adler, auch bei Dante, das äußere Machtsymbol des Kaiserthums sei, zunächst der heiligen, gottverliehenen, aber auch der unheiligen, widerchristlichen und ordnungswidrigen Kaisermacht, geht aus Parad. 6, 1 ff. und 6, 32 mit Ges. 19 hervor. Im letzteren Sinne in unsrer Stelle erscheinend, deutet er also auf die Christenverfolgungen der ersten Jahrhunderte, wie gleich nachher der Fuchs auf die inneren Feinde, welche als Irrlehren in die Kirche einbrachen und von Beatrix, als der himmlischen Erleuchtung, vertrieben werden.]
  2. [125. Nun erscheint noch einmal derselbe Adler der Kaisermacht, jetzt freundlicher Weise die rechte Ordnung verkehrend, wie vorher feindseliger Weise. Er läßt der Kirche „seine Federn“, zwar in guter Meinung gespendet V. 137, aber doch „eine schlechte Ladung“ für das Schiff Christi – womit in erster Linie die sog. „Constantinische“ Schenkung, Hölle 19, 115 und nächstdem alle die weltlichen Güter und Privilegien gemeint sind, welche allmälig, in „überwuchernder Fülle“ V. 138 ff., von Seiten der Kaiser, sowie anderer Fürsten den Päpsten überlassen wurden. (Vgl. auch Par. 20, 55 ff. über Konstantin.)]
  3. [131. Ob man unter dem Drachen Muhammed oder das Schisma der orientalischen und römischen Kirche im Jahr 1054 verstehen wolle, muß eine offene Frage bleiben, da die nähere Bezeichnung des Textes, daß derselbe „einen Theil des Bodens“ – aber nicht die Deichsel! – der Kirche mitgenommen habe, während der übrig bleibende Theil nachher eilig mit den „Federn des Adlers“, den weltlichen Schenkungen sich revanchirt habe, auf Beides paßt.]
  4. [142 – 160. Der Gedankenfortgang ist hier dieser: Durch die widergöttliche, wenn auch gutgemeinte, Gütertheilung der Kaisermacht mit der Kirche vornehmlich, unter Mitwirkung anderer, äußerer und innerer Feinde, ist die Kirche bereits „verwandelt“, von ihrem wahren Wesen abgekommen. Nun wird dem Abfall vollends die Krone aufgesetzt, indem in dem Wagen, dem rasch 7 Häupter und 10 Hörner, (2x3+4), gewachsen sind, eine freche Hure als Herrscherin, wo früher Beatrix war, sich erhebt, welche, mit einem Riesen buhlend, durch ihn den Wagen sammt Deichsel ganz vom Baum des Gehorsams und des Kaiserthums loslösen und entführen läßt. – Demgemäß müssen also die 7 Häupter und 10 Hörner (aus Offenb. 17) hier die Verkehrung jener, der Kirche ursprünglich gegebenen, inneren Lebenskräfte und Lebensnormen darstellen, welche schon Hölle 19, 109 als die sieben Sacramente oder auch sieben Gaben des Geistes und die zehn Gebote bezeichnet sind. Es sind also die sieben Todsünden und daraus hervorgehend, den zehn Geboten im Gegensatz entsprechend, deren nunmehrige zehnfache d. h. jedesmalige, Uebertretung zu verstehen. Daß endlich die Hure, wie schon zu V. 38 bemerkt, parallel dem Adler, die empirische Papstmacht in ihrem damaligen Verweltlichungsstreben und insofern auch die, dieses Fehlers besonders schuldigen, zeitgenössischen und früheren Päpste, bedeute; daß dieselbe nicht ohne tiefere Beziehung in V. 154 f. mit Dante, dem unbeugsamen Ghibellinen, zu liebäugeln suche; daß der Riese das französische Haus, besonders Philipp den Schönen, schmeichelhaft genug repräsentire und mit dem ganzen Schlußvorgang der Ablösung der, also zum Ungeheuer verwandelten, Kirche vom Baum und Fortführung derselben in den „Wald“ die Verlegung des Papstsitzes nach Avignon, diese schmachvollste Erniedrigung des röm. Stuhls (zu Hölle 19, 82), gemeint sei – dies alles bedarf kaum besonderer Erwähnung und der Leser wird die Mühe der Durcharbeitung durch diese bildervolle Vision reichlich belohnt finden durch den Eindruck der gewaltigen Wirkung, welche eine so kühne Darstellung, gerade hier, am seligen Paradiesesort, der unsichtbaren, wahren Kirche, wie sie sein soll, engegengehalten, auf die Zeitgenossen des Dichters gehabt haben muß. Denn sinnig und durchschlagend in jeder Beziehung muß der Gedanke genannt werden, gerade hier, in dem Theil des Gedichts die ganze Verderbniß der Kirche vorzuführen, welcher der ganzen Entwicklung nach recht eigentlich das Symbol der wahren Kirche, des rechten Kirchenzustandes auf Erden sein soll.]
  5. deutsche Übersetzung von Carl Streckfuß