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Tantalos

Aus AnthroWiki
(Weitergeleitet von Tantalus-Sage)
Tantalusqualen, Kupferstich von Bernard Picart (1673–1733)

Tantalos (altgriech. Τάνταλος Tántalos; lat. Tantalus) ist in der griechischen Mythologie der Stammvater des Geschlechts der Tantaliden.

Er frevelte gegen die Götter und zog damit ihren Fluch auf sein Haus, das über fünf Generationen hinweg von innerfamiliären Morden beherrscht sein sollte. Er selbst erlitt „Tantalosqualen“.

Herkunft und Nachkommen

Tantalos war ein mächtiger und unermesslich reicher[1] lydischer oder phrygischer König, der am Gebirge Sipylos[2] seine Burg hatte und dessen Ländereien sich zwölf Tagereisen weit erstreckten.[3] Meistens wird er als Sohn des Zeus und der Pluto („Die reiche Fülle“), einer Tochter der Titanen Kronos und Rhea, angegeben,[4] eine andere, spätere Version nennt Omphale und den Lydier Tmolos als Eltern[5], oder der Vater wird gar nicht genannt. Tantalos war mit Dione, Euryanassa oder Klytia verheiratet und Vater der Niobe, des Broteas, des Daskylos und des Pelops.

Frevel

Tantalos wurde an die Tafel der Götter zum Essen geladen, stahl jedoch Nektar und Ambrosia von ihnen,[6] was seine Gastgeber erzürnte. Zusätzlich verbarg der Sterbliche einen goldenen Hund in seinem Haus, den Pandareos aus einem Tempel gestohlen hatte, und leugnete diese Tat.[7]

Als die unsterblichen Götter zu einem Gastmahl des Königs Tantalos kamen – so etwas hatte es zuvor nur ein einziges Mal, bei der Hochzeit von Kadmos und Harmonia, gegeben –, versuchte er, ihre Allwissenheit auf die Probe zu stellen: Er tötete Pelops, seinen jüngsten Sohn, und ließ ihn den Göttern als Mahl servieren, jedoch so, dass sie seine Tat nicht erkennen sollten. Zwar verzehrte Demeter, verzweifelt über den Raub der Persephone, einen Teil der Schulter, doch die anderen Götter bemerkten die Gräueltat sofort. Sie warfen die Stücke des getöteten Pelops in einen Kessel, und die Moire Klotho zog ihn in bekannter Schönheit hervor. Der verzehrte Schulterknochen wurde von den Göttern durch einen aus Elfenbein ersetzt.[8]

Rudolf Steiner erzählt die Geschichte und ihre weiteren Folgen so:

„Es war einmal im Verlaufe der Menschheitsentwickelung ein ansehnliches Geschlecht. Das Los des Begründers dieses Geschlechtes, Tantalus, der im Tartarus büßte, ist in weitesten Kreisen bekannt. Er war eingeweiht in die Geheimnisse der Götter. Die Griechen drücken das dadurch aus, daß ein solcher Mensch, der eingeweiht ist in die Geheimnisse der Götter, sogar an den Göttermahlen teilnehmen kann. Aber er hatte so etwas, daß er es gegen die Götter, gegen die offiziell anerkannten Götter wie einen Stachel, oder man könnte auch sagen, wie einen Leckerbissen empfand, sie zu täuschen. Und da setzte er ihnen - Sie wissen es alle - als Leckerspeise für die Götter seinen eigenen Sohn vor, den er zerstückelt hatte. Und die Götter, die in ihrer Allwissenheit einen Irrtum begangen, aßen davon und tranken auch von dem Blut. Dafür wurde Tantalus in den Tartarus geworfen, und er mußte die Tantalus-Qualen ausstehen, von denen die griechischen Mythen erzählen. Durch eine Reihe von Verbrechen, die von Glied zu Glied stattfanden, erbte sich nun die Rache der Götter bis auf die letzten Nachkommen fort. Zunächst wurde Pelops, der Sohn des Tantalus, aus dem Himmel verwiesen, in welchen ihn die Götter aufgenommen hatten. Er wanderte über Kleinasien nach Griechenland und errang Hippodameia durch die Besiegung ihres Vaters zur Gemahlin [...]

Noch war ihm, wie sein Glück bewies, die Gnade des Himmels keineswegs entzogen. Doch bald machte er sich ihrer Gunst durch mancherlei Handlungen so unwürdig, daß der Segen aus seinem Hause schied. Aus seiner Ehe mit Hippodameia stammten die beiden Söhne Atreus und Thyestes ab, welche mit Mordschuld befleckt nach Argos flüchteten, wo sie den Thron dieses Reiches von ihrem Vetter Eurysthes erbten. Dort beging das Bruderpaar neue Greuel, so daß der königliche Palast von Mykenä der Schauplatz einer Blutrache war, welche von Kind zu Kind die einzelnen Glieder der beiden Familien vernichtete. Das schlimmste Verbrechen war das sogenannte Mahl des Thyestes. Atreus nämlich, der in Erfahrung brachte, daß seine Gemahlin von Thyestes zur Untreue verführt worden sei, lud den letzteren samt seinen beiden Söhnen zu einem Gastmahl ein. Der Schuldbewußte ließ sich verlocken und kam zu dem Mahle [...]

Doch das Gräßliche geschah: Atreus setzte dem Bruder das insgeheim geschlachtete Söhnepaar vor. Dieser trank vom Blut. - Das ist ja eigentlich auch «erbliche Belastung»: Der alte Tantalus hat das schon gegenüber den Göttern getan, jetzt tut es der Enkel! - Dies war eine Untat, vor welcher Apoll seine Sonnenrosse schaudernd umwandte, als er auf Mykenä niedersah. Ihr Rächer war ein später geborener Sohn des Thyestes namens Ägisthus. Ägisthus, von dem scheußlichen Vorfall unterrichtet, tötete zuerst seinen Oheim Atreus und lauerte dann auch dessen Kindern auf.

Atreus hatte von seiner Gattin Aërope zwei Söhne, Agamemnon und Menelaos, genannt die Atriden oder Atreussöhne. Ihnen gegenüber spann Ägisthus, der letzte Sohn des Thyestes, heimtückische Rachepläne. Doch konnte er nicht eher aus dem Versteck hervortreten, als bis die beiden verwandten Brüder den großen Heerzug nach Troja unternommen hatten. Nach ihrer Entfernung wußte er die leidenschaftliche Königin zu betören. Klytämnestra hatte ihrem Gemahl drei Töchter und einen Sohn geboren - jene Tochter, die uns vor allem interessiert, heißt Iphigenia -, und den Sohn Orestes. Iphigenia, die älteste Tochter, fiel als Schlachtopfer auf dem Altar der Artemis, der Diana, denn diese Göttin hatte wider die abziehenden Griechen heftigen Groll gefaßt und mußte durch die Tochter versöhnt werden. Die Mutter haßte den Gemahl und ging auf die ihr zugeflüsterten Mordgedanken ein. - Nun wissen wir, daß Iphigenia nach Tauris entrückt wurde und in dem Gehege eines Tempels zu sich kam. Wir wissen, daß sie in eine ländliche Gegend versetzt wurde, in eine Umgebung, wo sie unschädlich war, ein Schicksal, ähnlich dem unserer Ururenkelin. - Die weiteren Geschehnisse im Hause brauche ich nicht zu erzählen. Aber nun berichtet der Mythos noch das Folgende: Nachdem Orestes seine Schwester Iphigenia in Tauris wiedergefunden und sie ihn vom Wahnsinn geheilt hatte, brachte er sie nach Griechenland zurück. Dann wird weiter erzählt, daß Iphigenia, als sie nach Griechenland zurückgekehrt war, eine Art Orakel, eine Opferstätte für die taurische Diana errichtete, was ins Griechische übertragen, ungefähr dasselbe wäre, als wenn jetzt jemand ein Asyl für Kranke errichten würde nach solchen geisteswissenschaftlichen Grundsätzen, wie ich sie erwähnt habe.“ (Lit.: GA 165, S. 147)

Strafe

Tantalus von Gioacchino Assereto, 1630/1640
(Alte Galerie Graz)

Die Götter verstießen Tantalos in den Tartaros, die tiefste Region des Hades, und peinigten ihn dort mit ewigen Qualen, den sprichwörtlich gewordenen „Tantalosqualen“. Homer schildert dies in der Odyssee wie folgt:

„Auch den Tantalos sah ich, mit schweren Qualen belastet.
Mitten im Teiche stand er, den Kinn von der Welle bespület,
Lechzte hinab vor Durst, und konnte zum Trinken nicht kommen.
Denn so oft sich der Greis hinbückte, die Zunge zu kühlen;
Schwand das versiegende Wasser hinweg, und rings um die Füße
Zeigte sich schwarzer Sand, getrocknet vom feindlichen Dämon.
Fruchtbare Bäume neigten um seine Scheitel die Zweige,
Voll balsamischer Birnen, Granaten und grüner Oliven,
Oder voll süßer Feigen und rötlichgesprenkelter Äpfel.
Aber sobald sich der Greis aufreckte, der Früchte zu pflücken;
Wirbelte plötzlich der Sturm sie empor zu den schattigen Wolken.“

Odyssee 11, 582–592; nach der Übersetzung von Johann Heinrich Voß

Früchte und Wasser sind ihm greifbar nah, bleiben aber unerreichbar. Zu Hunger und Durst gesellte sich die ständige Angst um sein Leben, da über Tantalos’ Haupt ein mächtiger Felsbrocken schwebte, der jeden Moment herabzustürzen und ihn zu erschlagen drohte.[9]

Fluch der Tantaliden

Zuletzt verfluchten die Götter Tantalos und seine Sippe, die Tantaliden. Solange es Nachfahren gäbe, besitze dieser Fluch Gültigkeit. Der Fluch bestand darin, dass jeder seiner Nachfahren ein Familienmitglied töten und weitere Schuld auf sich laden solle. Eine lange Kette von Gewalt und Verbrechen wurde damit ausgelöst, die erst mit dem letzten der Tantaliden ihr Ende fand: mit Orest, der seine Mutter Klytaimnestra ermordete und so ihren Mord an ihrem Gatten Agamemnon, seinem Vater, rächte. Orest selbst ereilte sein Schicksal durch einen Schlangenbiss.

Stammbaum

Abgeleitete Begriffe

Nach Tantalos benannte Anders Gustav Ekeberg das von ihm entdeckte chemische Element Tantal.

Ein geschlossener Tantalus mit 3 Flaschen

Im Englischen bezeichnet man in Analogie zu den Tantalusqualen eine spezielle Form eines Flaschenhalters als Tantalus.

Quellen

Literatur

Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com.
Freie Werkausgaben gibt es auf steiner.wiki, bdn-steiner.ru, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
Die Rudolf Steiner Ausgaben basieren auf Klartextnachschriften, die dem gesprochenen Wort Rudolf Steiners so nah wie möglich kommen.
Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.

Einzelnachweise

  1. Diodor 4,74
  2. Pindar, Olympische Oden 1,38
  3. Aischylos, Fragment 158 in der Ausgabe von August Nauck
  4. Hyginus, Fabulae 82
  5. Johann Wolfgang Goethe: Iphigenie auf Tauris. Philipp Reclam jun. Stuttgart, 1993. ISBN 3-15-000083-1, Seite 64.
  6. Pindar, Olympische Oden 1,60–63
  7. Antoninus Liberalis, Metamorphosen 36
  8. Pindar, Olympische Oden 1,26–27; Ovid, Metamorphosen 6,403–411; Hyginus, Fabulae 83
  9. Hyginus, Fabulae 82

Weblinks

Commons: Tantalos - Weitere Bilder oder Audiodateien zum Thema
Dieser Artikel basiert auf einer für anthrowiki adaptierten Fassung des Artikels Tantalos aus der freien Enzyklopädie de.wikipedia.org und steht unter der Lizenz Creative Commons Attribution/Share Alike. In Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.