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Zweiblättrige Lotosblume

Aus AnthroWiki
(Weitergeleitet von Stirnchakra)
Stirnchakra

Die zweiblättrige Lotosblume, das sogenannte Stirnchakra (sanskrt. आज्ञा Ājñā [aːɟɲaː] „das Wahrnehmende“), bekannt auch als das dritte Auge bzw. als das geistige Auge, ist eines der sieben hauptsächlichen seelischen Wahrnehmungsorgane im Astralleib des Menschen. Sie ist knapp oberhalb der Nasenwurzel lokalisiert. Sie wird in Tätigkeit gesetzt, wenn die Bewusstseinsseele zur Imaginationsseele verwandelt wird. Im Zuge des modernen Rosenkreuzer Schulungsweges wird sie als erstes seelisches Wahrnehmungsorgan aktiviert. Ihre beiden Flügel oder Blätter richten sich dann zuerst tastend wie zwei astrale Fangarme in die seelische Außenwelt. Wenn sich das, was sie dabei erfahren, im Ätherleib abzudrücken beginnt, leuchtet die imaginative Erkenntnis, das bewusste astrale Hellsehen, auf. Obwohl auch andere Lotosblumen imaginative Erlebnisse vermitteln, ist die zweiblättrige Lotosblume doch der hauptsächliche Imaginationssinn (Lit.: GA 115, S. 54).

Der Begriff des „geistigen Auges“ geht mindestens auf Cicero zurück, der in seiner Diskussion über den angemessenen Gebrauch des Gleichnisses durch den Redner vom mentis oculi spricht.[1] Cicero bezieht sich dabei aber ganz deutlich nicht auf ein wirkliches geistiges Wahrnehmungsvermögen, wie es erst durch die Imagination gegeben ist, sondern auf ein möglichst konkretes sinnliches Vorstellungsvermögen. Rednern empfiehlt er, für Gleichnisse anschauliche Bilder aus der eigenen Erfahrung zu verwenden und nicht solche, von denen man bloß gehört hat, „denn die Augen des Geistes sind leichter auf die Objekte gerichtet, die wir gesehen haben, als auf die, die wir nur gehört haben“.[2] Rudolf Steiner erläutert nun, dass sich die Wahrnehmung, das Vorstellungsvermögen und die wirkliche Imagination, die eine nicht-sinnliche, rein seelische Wahrnehmung ist, tatsächlich desselben seelischen Organs bedienen, nämlich eben der zweiblättrigen Lotosblume, allerdings auf ganz unterschiedliche Weise. Wenn sich die Tätigkeit der zwischen den Augenbrauen gelegenen zweiblättrigen Lotosblume nach innen wendet, entsteht die Fähigkeit zur äußeren, sinnlichen Wahrnehmung. Wenden sich ihre „astralischen Fangarme“ nach außen, entsteht die Imagination.

„Wenn Sie nun in der Lage sind, ohne daß eine äußere Veranlassung da ist, Ihre astralischen Fangarme herauszustrecken, so tritt das ein, was man im höheren Sinne das geistige Wahrnehmen nennen kann. Es bilden sich die eigentlichen geistigen Wahrnehmungsorgane. […] Und in demselben Maße, als der Mensch immer fähiger und fähiger wird, so aus sich selbst heraus, ohne daß er durch die Außenwelt gezwungen wird, seine astralische Substanz herauszustrecken, in demselben Maße bildet er weitere höhere Sinne aus. In der Gegend des Kehlkopfes bildet er aus durch diese Arbeit einen sehr komplizierten Sinn, die sechzehnblättrige Lotusblume, den inspirierenden Sinn; weiter in der Herzgegend den Sinn, den man auch den intuitiven Sinn nennen kann, die zwölfblättrige Lotusblume, und dann noch weitere höhere Sinne, die man aber nun, weil man da ins rein Geistige kommt, nicht mehr Sinn nennen kann im gewöhnlichen Sinne. Es genügt ja, daß wir zu den physischen, eigentlichen Sinnen hinzuzufügen haben den imaginativen Sinn, den inspirierenden Sinn und den intuitiven Sinn.

Nun fragen wir uns: Sind nun diese drei Sinne nur tätig im hellsichtigen Menschen oder gibt es auch beim gewöhnlichen Menschen etwas, was er als eine Tätigkeit dieser Sinne auffassen kann? - Ja, auch beim gewöhnlichen Menschen gibt es etwas, was als eine Tätigkeit dieser Sinne aufzufassen ist, des imaginativen, des inspirierenden und des intuitiven Sinnes. Wenn Sie genau aufgefaßt haben, wie diese Sinne beim hellsichtigen Menschen wirken, so werden Sie sich sagen, sie wirken, indem sie sich wie Fangarme nach außen erstrecken. Beim gewöhnlichen Menschen sind sie auch vorhanden, nur mit dem Unterschiede, daß sie sich da nicht nach außen, sondern daß sie sich nach innen strecken. Genau an der Stelle, wo die zweiblättrige Lotusblume beim hellsichtigen Menschen entsteht, da ist beim gewöhnlichen Menschen etwas vorhanden wie zwei solcher Fangarme, die nach innen gehen, die sich nur in der Gegend des Vorderhirns kreuzen. So wendet das gewöhnliche Bewußtsein einfach diese Fangarme, statt wie beim hellsichtigen Menschen nach außen, nach innen [...].

Und diese Wirkung der Tätigkeit nach innen nimmt jetzt der Mensch wahr. Wie nimmt er sie wahr?

Indem sich der imaginative Sinn nach innen ergießt, entsteht das, was man im gewöhnlichen Leben die Empfindung irgendeiner Sache nennt, die äußere Empfindung, die äußere Wahrnehmung. Daß Sie die Dinge draußen sehen, das beruht darauf, daß nach innen hinein dieser Sinn arbeitet. Was Sie nach draußen als Empfindung, als Wahrnehmung haben, das können Sie nur dadurch haben, daß dasjenige in Sie hineinarbeitet, was im imaginativen Sinn zum Vorschein kommt. Unterscheiden Sie aber wohl, was hier Empfindung genannt ist, von dem, was zum Beispiel ein Ton ist. Es ist noch etwas anderes, einen Ton zu hören, eine Farbe zu sehen, oder eine Empfindung dabei zu haben. Eine Farbe zu sehen und zu sagen, sie ist rot, ist etwas anderes, als die Empfindung dabei zu haben: sie ist schön oder häßlich, angenehm oder unangenehm im unmittelbaren Eindruck.

Auch der inspirierende Sinn ergießt seine Tätigkeit nach innen, und durch diese Tätigkeit entsteht das, was nun eine kompliziertere Empfindung ist: das Gefühl. Das ganze Gefühlsleben, das mehr Innerlichkeit hat als das bloße Empfindungsleben, ist eine Tätigkeit des inspirierenden Organes, das nur nach innen tätig ist statt nach außen. Und wenn der intuitive Sinn sich nach innen ergießt, dann entsteht das, was wir eigentlich jetzt das Denken nennen, das Gedankenbilden. Das ist der Erfolg der Tätigkeit des intuitiven Sinnes nach innen. Zuerst hat der Mensch eine Empfindung von der Sache, dann kommt das Gefühl, und zuletzt bildet er sich seine Gedanken darüber.“ (Lit.: GA 115, S. 53ff)

Die zweiblättrige Lotosblume markiert zugleich den Ich-Punkt, durch den das Selbstbewusstsein (skrt. अहंकार ahaṃkāra, wörtlich: „Ich-Macher“, von ahaṃ „Ich, Ego“ und kāra „machend“, von der Wurzel kṛ „tun“, wovon sich auch „Karma“ ableitet) erwacht.

Zugleich mit der zweiblättrigen Lotosblume wird in der modernen Schulung immer auch die 16-blättrige Lotosblume, die hauptsächlich die inspirierte Erkenntnis vermittelt, bis zu einem gewissen Grad mit ausgebildet, damit auch ein gewisses Grundverständnis und eine entsprechende Orientierung in dem hellsichtig Geschauten möglich ist. Darum waren auch beide Lotosblumen im Mittelteil des roten Westfensters des ersten Goetheanums abgebildet, das das Erlebnis der imaginativen Erkenntnis künstlerisch darstellen sollte.

Nach den Erkenntnissen des deutschen Mystikers und Jakob Böhme-Schülers Johann Georg Gichtel steht das Stirnchakra in Wechselwirkung mit der Jupitersphäre. Seine Farbe ist nach der Yoga-Lehre indigoblau.

In der ägyptischen Mythologie wird das „Dritte Auge“ durch die Uräusschlange symbolisiert.

Siehe auch

Literatur

Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com.
Freie Werkausgaben gibt es auf steiner.wiki, bdn-steiner.ru, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
Die Rudolf Steiner Ausgaben basieren auf Klartextnachschriften, die dem gesprochenen Wort Rudolf Steiners so nah wie möglich kommen.
Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.

Weblinks

Einzelnachweise