Archetypischer Formzustand

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Der archetypische Formzustand ist der siebente Formzustand und damit der höchste Formzustand, den jeder der sieben Lebenszustände während der Weltentwicklung durchläuft. Er ist eine höhere Metamorphose des formlosen Arupa-Zustands dar. Ein Wesen, das das diese Stufe erreicht hat, wird schöpferisch. Es bringt in seiner Umwelt solche Formen hervor, die ein eine kleine Nachbildung dessen sind, was seine Umwelt im Großen ist.

„Dem innerlichen Erleben der Seele muß erst das Schaffen dieses Lebens vorangehen. Denn nichts kann erlebt werden, was nicht erst ins Dasein getreten ist. Bezeichnet die Geheimwissenschaft das innere Erleben als Seelisches, so benennt sie das Schöpferische als Geistiges. Der [physische Leib] nimmt durch Organe wahr; die Seele erlebt sich im Innern; der Geist schafft nach außen. So wie den sieben Stufen des Bewußtseins sieben Seelenerlebnisse voran gehen, so gehen diesen Seelenerlebnissen entsprechend sieben Arten schöpferischer Tätigkeit voran. Dem dumpfen Erleben des Stoffes entspricht im Gebiete des Schöpferischen das Hervorbringen dieses Stoffes. Der Stoff strömt da in gleichgültiger Art in die Welt. Man bezeichnet dieses Gebiet als dasjenige der Formlosigkeit. Auf der nächsten Stufe gliedert sich der Stoff, und seine Glieder treten zueinander in Beziehung. Man hat es also da mit verschiedenen Stoffen zu tun, die sich verbinden, trennen. Dieses Gebiet wird als das der Form bezeichnet. Auf der dritten Stufe braucht nicht mehr Stoff zu Stoff selbst in Beziehung zu treten, sondern es gehen von dem Stoffe die Kräfte aus, die Stoffe ziehen sich an, stoßen sich ab und so weiter. Man hat es mit dem astralen Gebiet zu tun. Auf der vierten Stufe erscheint ein Stoffliches, gestaltet von den Kräften der Umwelt, die auf der dritten Stufe bloß die äußeren Beziehungen geregelt haben und die jetzt in das Innere der Wesen hineinarbeiten. Es ist dies das Gebiet des Physischen. Ein Wesen, das auf dieser Stufe steht, ist ein Spiegel seiner Umwelt; es arbeiten die Kräfte der letzteren an seiner Gliederung. - Der weitere Fortschritt besteht darinnen, daß das Wesen nicht nur sich in sich so gliedert, wie es im Sinne der Kräfte in der Umwelt ist, sondern daß es sich auch eine äußere Physiognomie gibt, welche das Gepräge dieser Umwelt trägt. Stellt ein Wesen der vierten Stufe einen Spiegel seiner Umwelt dar, so drückt ein solches der fünften Stufe diese Umwelt physiognomisch aus. Man nennt diese Stufe daher in der Geheimwissenschaft die physiognomische. Auf der sechsten Stufe wird die Physiognomie zur Ausströmung ihrer selbst. Ein Wesen, das auf dieser Stufe steht, bildet die Dinge seiner Umwelt so, wie es sich erst selbst gebildet hat. Es ist dies die Stufe des Gestaltens. Und auf der siebenten Stufe geht das Gestalten über in Schaffen. Das Wesen, das da angekommen ist, erschafft in seiner Umwelt solche Formen, welche im Kleinen nachbilden das, was seine Umwelt im Großen ist. Es ist die Stufe des Schöpferischen.

Die Entwickelung des Geistigen gliedert sich demnach in folgende Stufenreihe:

  1. die Formlosigkeit
  2. die Formgebung
  3. die Einverleibung von Kraft
  4. die Gestaltung im Sinne der Kräfte der Umwelt
  5. die physiognomische Ausdrucksfähigkeit
  6. die gestaltende Macht
  7. die schöpferische Fähigkeit.“ (Lit.:GA 89, S. 38ff)

„Der Arupazustand und der archetypische Zustand unterscheiden sich wesentlich von den fünf anderen Zuständen. Eigentlich beginnt in Wirklichkeit der Formzustand auf dem Rupaplan. Auf dem Arupaplan gibt es noch keine Form, sondern nur die Anlage dazu, und auf dem archetypischen Plan gibt die Form sich selbst ihre Form, sie ist da ganz Leben. Daher sind der erste und der siebente Formzustand eigentlich Lebenszustände, in denen der siebte immer der des Status nascendi (Entstehung) des folgenden ersten ist, oder bei denen der siebte (der archetypische) das geworden ist, was im ersten im Status nascendi war. Der archetypische Formzustand ist ein solcher, bei dem die Form Leben geworden ist, und der arupische ein solcher, bei dem die Form noch Leben ist. Eigentlich haben wir daher nur fünf Prajapatis der Form, weil zwei von den sieben schon zu den höheren Prajapatis des Bewußtseins gehören. Man könnte vielleicht sagen, daß Lebensstadien und Formzustände nur verdichtete Bewußtseinszustände sind, oder auch die passive Seite des aktiven Bewußtseins, oder auch die eigentliche negative Seite des Weltbildes, während das Bewußtsein die positive Seite ist. Es gehören also der erste und der letzte der Prajapatis der Formzustände schon zu der höheren Hierarchie der Prajapatis des Bewußtseins.“ (Lit.:GA 89, S. 178)

Literatur

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